Was ist ein Trullo?

Trullo GaiaVita

Trullo GaiaVita

Ein Trullo ist von innen ein Kuppelbau, der auf einer quadratischen, doppelt hochgezogenen Steinmauer,  160 cm hoch (manchmal auch höher) und ca. 1oo cm breit, aufliegt. Geröll, das die doppelte Reihe Steinmauer füllt, gibt der Kuppel Festigkeit. Von außen sorgt eine Steinverkleidung, mit besonders flach gemeißelten Steinen, Chiancarelle genannt, für das kegelförmige Aussehen des Daches. Damit wird der Trullo wasserdicht. Zur Verschönerung thront obenauf, auf der Spitze, eine Steinkugel. Zu finden sind auch noch Trulli mit aufgemalten symbolischen Zeichen. 

trullo 

Dank der Wandstärke ist ein Trullo im Inneren immer schön kühl. Bis zum 18. Jhd. wurde ein Trullo ohne Mörtel gebaut; nur mit Steinen, welche die kleinen Landwirte,  “contadini” bezeichnet, vom Feld lasen, zurecht klopften und kunstvoll aufeinander reihten. Warum man Kuppeln baute, obwohl schon längst Flachdächer hätten gebaut werden können? Ich denke, dass die Menschen sich unter dem steinernen Himmelszelt geborgen fühlten. Es ist aber wahrscheinlicher, dass es einfach die günstigste Art war, mitten auf einem Acker, der reich an Steinen war, eine Unterkunft zu bauen und  damit gleichsam den Acker für die Aussaat vorzubereiten. Es war die Baukunst der armen Leute. Stellt man sich aber die Frage, wie kommt es, dass diese Rundbauten nur in einem bestimmten Gebiet Apuliens zu finden sind, nämlich vorzugsweise im Itria Tal, Valle d´Itria, stößt man auf interessante Spekulationen von Historikern und Archäologen. 

 

Trullo Grab Palazzo Nestore

Trullo Grab Palazzo Nestore

Da die ersten Siedler 1800 vor unserer Zeitrechnung aus Griechenland mit ihren Schiffen an die Küsten des Salento, Apuliens Landzunge, vor Anker gingen, ist es denkbar, dass sie auch das Wissen um die Bauart eines Trullo mitbrachten. Auf dem Peloponnes, im Gebiet Epanó Englanios, ist ein Grab erhalten, das genau so gebaut ist,wie ein Trullo und auf Homers Zeit datiert wird. Auch die Bezeichnung Trullo wird auf das griechische Wort Tholos zurückgeführt, das einen runden Sakralbau meint. 

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Ein ganz kleverer Herrscher, der im 18. Jhd in seinem Hoheitsgebiet eine neue Siedlung errichten wollte, kam auf die Idee Bauern zum Bau von Trulli zu zwingen, wollten sie ein Dach über den Kopf. Damit  umging der Herzog der Pflicht dem König steuern dafür zu zahlen. So entstand im Hinterland von Bari “Alberobello”, eine nur aus Trulli bestehende kleine Stadt.

Die Moderne, die erst Mitte des letzten Jahrhunderts  im Süden Italiens Fuß fasst, die Dörfer zu Städte auswachsen lässt, fließendes Wasser und sanitäre Anlagen in den Wohnungen einziehen, veranlasst die Bauern ihre bäuerliche Unterkunft zu verlassen.  Trulli, die als Kuppelbauten sehr langlebig sind und bei liebevoller Pflege Jahrhunderte überleben können, verfallen. maroder Trullo

Wie z.Beispiel der Trullo meiner Ur-Großmutter Graziella Pascariello. Er wurde bis 1950 von ihr und ihrer Tochter bewohnt. Dann aber, durch die Wechselfälle des Lebens, zog die verheiratete Tochter in eine Nachbargemeinde und der Trullo verwaiste und verwahrloste. Erst durch weitere Wechselfälle, 50 Jahre später, kam ein Teil der Familie zurück und mit dem Wissen, welch eine Kostbarkeit ein Trullo darstellt, wurde der Trullo saniert. Er beherbergt heute Gäste, die erfahren wollen, wie das Leben in einem Trullo sich anfühlt und dennoch nicht auf die wichtigen Errungenschaften des Lebens verzichten wollen, wie eine funktionstüchtige Küche mit fließendem Wasser. Das gab es im alten Trullo nicht.

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