Liebe Freundin, es hat einen richtig kalten Wetterumschwung gegeben. Die sonnigen Tage, die wir erlebt haben und  auch noch in der Osterwoche mein Berliner Besuch genießen konnte, sind seit Ostermontag nun vorbei. Kalt und regnerisch ist es seitdem. Ostern war noch so herrlich, sommerlich warm. Ich möchte dir davon erzählen, von den schönen Tagen berichten, die ich mit meiner “zufälligen” Großfamilie verbracht habe.DSC00232DSC00104 yara trulloDSC00093 spiele trulloDSC00090 redu

Du wirst mich um die schönen Tage beneiden. Großfamilie, war auch dein Traum. Na ja. Den haben wir beide irgendwann aus geträumt. Aber ab und zu lebt er DSC00054 marktdoch hier im apulischen 

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Paradies wieder auf. Wir waren zu neun Personen, der Jüngste 13 Monate alt. Gar nicht so einfach für acht Personen da zu sein und ihnen doch ihre Freiräume zu lassen, gutes Essen zu zaubern, schöne Ausflüge, auch Kleinkind gerecht, zu organisieren. Sie machen zu  lassen, wonach ihnen der Sinn stand und immer wieder gemeinsame Momente einfädeln. Hat tatsächlich geklappt, alles harmonisch ineinander gegriffen. Und wenn mal nicht, war es auch gut so. Also es war nicht schön langweilig, DSC00021 sondern immer schön lebendig. Ostersonntag waren wir dann sogar 15 Personen, da meine Schwägerin mit ihren Kindern und ihrer Mutter da war. Natürlich fehlten auch nicht die Großeltern. Ein wunderbares Familienessen haben wir zu Ostern gezaubert,  wie es bei uns, als die Eltern jünger waren, immer Tradition war. Es ist also eine durchweg gelungene Woche geworden mit vielen schönen Ausflügen. Zusammen mit einem Biologen haben wir ein Stück salentinische Natur erkundet, nach den einzigartigen Orchideen Ausschau gehalten, die unsere Landschaft zieren. Sie sind mit ausgefallenen Formen und Farben ausgestattet, aber kleinwüchsig, durch Gräser dem  unwissenden Auge entzogen, so dass normale Wanderer einfach an ihnen vorbei laufen. Wir haben über ein Dutzend verschiedene Orchideen kennen gelernt. DSC00194 orchi apu DSC00190 orchi insektEs war ein toller Nachmittag, der schließlich an einem Gutshof endete, wo die Eseln aus Martina Franca auf uns warteten. Es sind besonders große und zutrauliche Eseln, womit unser Biologe Ausflüge mit seinen Gästen macht. Das nächste Mal sind wir bestimmt dabei. Für uns war es zu spät, um noch eine Runde mit ihnen zu drehen und unser DSC00151 pietro

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Peter Pan war auch zu müde. Sehr beeindruckend waren für meine Gäste die Rituale des Karfreitags, die in Francavilla, wie jedes Jahr, mit großer Theatralität statt finden. Zur Prozession mit den verschiedenen Skulpturen, die den Leidensweg Christi darstellen und von Männern, wie Frauen, die in Bruderschaften organisiert sind, auf spezielle Trägerkonstruktionen getragen werden, kommen Kreuzträger, die entweder für den Ablass ihrer Sünden, oder für eine Gnade, die sie erbitten, ein richtiges schweres Holzkreuz  hinter sich her schleifen. 


DSC00340 croceDiesmal waren es 80 Kreuzträger. Ihre Köpfe vermummt. Sie gehen barfuß. Die Prozession schien diesmal wirklich kein Ende mehr zu nehmen. Auch die Prozession wird XXL, wie alles in unserer Gesellschaft. Der Kleinste in unserer Gruppe, ein wahrer Putte, ist dann auch bei der letzten Figur, die durch die Stadt getragen wurde, die Mater Dolorosa, eingeschlafen. Von der ganzen Prozession ist das der Moment, der mich immer berührt und ich an all die Frauen denke, die ihre Kinder in den Kriegen, auf der Flucht oder auch nur durch Schicksalsschläge, Krankheit oder Unfälle verlieren. Ich denke an meine Tante, deren Sohn mit 15 Jahren auf dem Pilgerweg nach Oria, zu den Heiligen Cosma und Damiano, durch einen tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam. Das Herz meiner Tante ist daran regelrecht zerbrochen. Die Mutter Dolorosa, mit einem Schwert, das das Herz durchsticht. Die Kinder sollen das Leben weiterspinnen und es ist grausam, wenn es nicht so ist. Es zerstört das Vertrauen ins Leben, in einen gerechten Gott, in die Sinnhaftigkeit der Existenz. Was macht das alles für einen Sinn? Möchte man mit Hiob fragen. Unseren schlafenden Peter Pan jedenfalls haben wir,  bevor die Prozession ihr Ende fand, zum Auto geschoben. Die Trauermärsche, die traditionell bei dieser Prozession gespielt werden, klingen und hängen einem lange nach. Sie nisten sich ins Ohr, ins Gemüt. Es dringt bestimmt auch zum kleine Herz unseres schlafenden Pan. Dachte ich. Erinnerst du dich, wie Lucas als Kleinkind im Schlaf bei bestimmten Musikstücken, vor allem von Mozart, seelig lächelte?  Einen guten Start ins Leben müssten alle Kinder haben. Sag du mir mal, warum das nicht hin zu kriegen ist? Ist ein Virus in das Schöpfungsprogramm hinein geraten? dass für die Einen alles besser wird, und für die Anderen nichts gut. (Der Spruch stammt nicht von mir. Hab ich mir von der Berliner Mauer abgeguckt, als der große Ausverkauf der Stadt los ging). Aber zurück zu meiner Großfamilie. Am Samstag und am Sonntag gab es dann auch ein gutes Kontrastprogramm zur Prozession. Die Einen sind ans Meer gefahren, die anderen haben auf der Terrasse gespielt, oder sich wie Echsen an der warmen Sonne gelabt. Ich bin mit meiner Freundin nach Pascarosa, 

DSC00466 DSC00491 DSC00430 einem ganz ungewöhnlichen Ort.Das kann ich dir jetzt hier aber nicht einfach so erzählen, was das Besondere an diesem Ort ist. Das muss man erleben. Das nächste mal, wenn du mich besuchst, bringe ich dich dorthin. Und nun: Guten Morgen! Ich muss auch gleich los, da heute deutsche Journalisten für eine Pressereise in Ostuni ankommen und ich für sie übersetzen werde. Einen schönen Tag dir. Fühl dich gedrückt Cosima

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